Internet-Virus (Foto: Gerd Altmann , Pixabay)

Vorsicht mit Ausweisfotos und Ident-Verfahren!

Bei der Jobsuche im Internet ist ein junger Mann aus Schleswig-Holstein an einen Unternehmer geraten, der per WhatsApp-Kontakt Fotos von ihm und seinem Personalausweis haben wollte – angeblich, um damit ein Konto für das Honorar zu eröffnen. Hinter solchen Maschen stecken meist Kriminelle, die sich Zugang zu persönlichen Daten verschaffen wollen. Für Betroffene kann das teure Folgen haben.

Das Video-Ident-Verfahren ist eine beliebte Methode, wenn ein Vertrag schnell und einfach per Internet geschlossen werden soll. Banken nutzen diese Methode beispielsweise für die Eröffnung eines neuen Kontos. Dabei verlangen die Anbieter die Vorlage des Personalausweises per Videoübertragung. Mit diesem Verfahren beweisen die Kunden ihre Identität. Diese Möglichkeit der digitalen Welt nutzen zunehmend auch Kriminelle, um an persönliche Daten von Verbraucher*innen zu gelangen. In den letzten Wochen haben sich mehrere Schleswig-Holsteiner*innen an die Verbraucherzentrale gewandt, weil sie bei der Jobsuche an Datendiebe geraten sind.

Bewerbungsgespräch per WhatsApp-Chat
In einem aktuellen Fall hatte sich ein junger Mann auf eine Stellenanzeige für einen Nebenjob beworben. Das Angebot war auf mehreren Online-Jobbörsen veröffentlicht. Darauf erhielt er eine E-Mail mit „lieben Grüßen“ vom Geschäftsführer des „jungen“ Unternehmens, das gern einen „unkonventionellen/moderneren Weg“ gehe. Der Bewerber wurde gebeten, sich per WhatsApp an die Handynummer des Personalleiters zu wenden, um alles weitere zu klären. Nach einem längeren Chat über Aufgaben, Bezahlung und Arbeitsbedingungen gab der Chatpartner an, ein Verrechnungskonto für den neuen Mitarbeiter eröffnen zu wollen. Um den Vertrag aufzusetzen, benötige er zur Legitimation Fotos von der Vorder- und Rückseite seines Personalausweises sowie ein Selfie des Bewerbers mit seinem Ausweis in der Hand. Der Bewerber wurde daraufhin misstrauisch und versuchte, im Internet Informationen über das Unternehmen zu finden – ohne Erfolg.

So nutzen Betrüger fremde Daten für ihre Zwecke
Für Verbraucher kann es schwerwiegende Folgen haben, wenn ihre persönlichen Daten in falsche Hände gelangen. So nutzen Kriminelle zum Beispiel fremde Daten, um Konten zu eröffnen und damit Fake-Shops – also betrügerische Scheingeschäfte im Internet – zu betreiben. Andere Betroffene berichten von Rechnungen über Online-Käufe oder Verträge, die Fremde mit ihren Daten geschlossen hatten. Ident-Verfahren im Internet ermöglichen solchen Betrügern den Zugriff auf Verbraucherdaten. „Solche Vorgänge sind keine Bagatellen, dahinter stecken ernst zunehmende kriminelle Strukturen, gegen die wir gezielt vorgehen. Deshalb ist es sehr hilfreich, wenn sich Betroffene in solchen Fällen auch an die Ermittlungsbehörden wenden“, sagt Schleswig-Holsteins Justiz- und Verbraucherschutzminister Claus Christian Claussen.

Falsche Internetseiten und Unternehmen erkennen
Im Umgang mit Ident-Verfahren per Foto oder Video ist Vorsicht geboten. Wer sich nicht ganz sicher ist, dass er es mit einem seriösen Gesprächspartner zu tun hat, verzichtet besser. Es gibt eine Reihe von Warnsignalen, die auf eine Betrugsmasche hindeuten:
• Bei einem Bewerbungsverfahren ist kein persönlicher Kontakt möglich? Dann Vorsicht mit persönlichen Daten.
• Sollen Sie an einem Video-Ident-Verfahren zur Kontoeröffnung teilnehmen, um sich für ein Jobangebot zu identifizieren? Das ist kein seriöses Verfahren, denn die Kontoeröffnung hat nichts mit einem Bewerbungsverfahren zu tun.
• Werden Sie aufgefordert, das Video-Ident-Verfahren zu testen? Sollen Sie möglicherweise zu Testzwecken vorspielen, dass Sie ein Konto für sich selbst eröffnen wollen? In einem solchen Fall ist es das Beste, das Verfahren sofort abzubrechen und Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Hinter solchen Methoden steckt kein seriöses Jobangebot.
• Gibt es Warnungen oder andere Hinweise über das vermeintliche Jobangebot? Erkundigen Sie sich ausgiebig über das Unternehmen, bevor Sie sich bewerben.

Im Ernstfall schnell handeln
Wer glaubt, auf Betrüger hereingefallen zu sein, sollte schnell Anzeige bei der Polizei erstatten, den Betrug unverzüglich bei der betroffenen Bank melden und das Konto sperren lassen.

Text: Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein / Redaktion, Foto: Gerd Altmann , Pixabay