Friederike C. Kühn (Foto: IHK zu Lübeck, Malzahn)

Die Unternehmen in Schleswig-Holstein rechnen für das Jahr 2020 mit starken Einbußen

Über die Hälfte der Betriebe (53,5 Prozent) erwartet einen Umsatzrückgang von mehr als 10 Prozent, knapp 16 Prozent rechnen sogar mit Umsatzrückgängen von mehr als 50 Prozent. „Das sind beträchtliche Ausfälle. Allerdings gibt es auch Unternehmen, die glücklicherweise weniger betroffen sind“, sagt Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein. Denn 17 Prozent sehen sogar Umsatzsteigerungen vorher; gut 13 Prozent erwarten keine Auswirkungen auf ihre Umsatzentwicklung.

Alle Branchen sind von Corona-Krise betroffen
Die Folgen der Krise zeigen sich über alle Branchen hinweg vor allem im Nachfrageverhalten: Jeder zweite Betrieb (48 Prozent) leidet unter einer gering ausfallenden Kauflust der Kunden, 24 Prozent haben es mit Auftragsstornierungen zu tun. Besonders hart trifft es über ein Fünftel der Unternehmen, denn sie mussten den Betrieb komplett oder zu großen Teilen einstellen. Zum Stillstand gekommen ist die Geschäftstätigkeit vor allem in der Reisewirtschaft, Kultur- und Kreativwirtschaft und dem Gastgewerbe. „Betroffen sind dabei nicht nur die durch Anordnung geschlossenen Unternehmen“, stellt Kühn fest. Denn bei 44 Prozent der Betriebe steht die geschäftliche Aktivität aus Gründen wie fehlender Nachfrage oder aufgrund des Ausfalls von Mitarbeitern still.

Liquiditätsengpässe und drohende Insolvenzen
Die meisten Unternehmen gehen in der Krise an ihre Reserven und verringern ihr Eigenkapital (38,2 Prozent). Knapp ein Viertel der Betriebe kann sich allerdings auch damit nicht mehr über Wasser halten und hat bereits mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen (23,7 Prozent). Etwa 7 Prozent geben an, schon konkret von einer Insolvenz bedroht zu sein; 15 Prozent dieser Unternehmen können ihren Geschäftsbetrieb nur noch wenige Wochen aufrechterhalten.

„Gerade in der Finanzausstattung der Unternehmen zeigt sich die Ambivalenz der Krise, denn in der Industrie, im Baugewerbe und im Einzelhandel spüren jeweils über die Hälfte der Unternehmen keine finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie, während es in der Reisewirtschaft, in der Kultur und Kreativwirtschaft und im Gastgewerbe vermehrt zu Liquiditätsengpässen und drohenden Insolvenzen kommt“, sagt Kühn.

44 Prozent der Unternehmen verschieben Investitionen oder streichen diese komplett. Daneben gaben 35 Prozent an, verstärkt zu rationalisieren und Einsparpotenziale weiter auszuschöpfen. Auch mit einer Ausweitung der Aktivitäten in Forschung und Entwicklung ist durch die Corona-Pandemie nicht zu rechnen; nur knapp 5 Prozent wollen dabei aktiv werden. 18 Prozent geben an, bei schwach ausgelasteten Kapazitäten Personal abbauen zu müssen. Diese Entwicklung dämpft die Produktivitätsentwicklung und Modernisierung der Unternehmen. Es zeigt sich jedoch auch, dass die Corona-Pandemie die Digitalisierung weiter vorantreibt, denn jeweils 34 Prozent gaben an, der Krise mit einer verstärkten Digitalisierung, dem Ausbau ihrer Online-Präsenz und einer verstärkten Online-Kundengewinnung zu begegnen.

Hilfen der Regierung notwendig
„Unsere Unternehmen wünschen sich von der Politik vor allem Maßnahmen, die zu einer Bürokratieentlastung beitragen. Über 60 Prozent der Befragten sehen darin eine essenzielle Maßnahme zur Unterstützung der Wirtschaft“, so die Präsidentin.

Aber auch den Aufbau digitaler Infrastruktur sowie den weiteren Ausbau des E-Governments halten unsere Betriebe für ein wichtiges Instrument zur Krisenbewältigung (30,2 Prozent). Als drittwichtigstes Instrument wird von den Unternehmen die Ausweitung des diesjährigen steuerlichen Verlustrücktrages gesehen (27,6 %).

Text: IHK / Redaktion, Foto: IHK zu Lübeck, Malzahn