S-Bahn: RB 81 im Bahnhof Ahrensburg (Ahrensburg-Portal)

Analyse der Bahndaten zeigt, womit die Reisenden rechnen müssen

Dass die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn mehr als unbefriedigend ist, weiß jeder, der mit der Bahn nach Hamburg fahren muss. Dasselbe gilt auch bei Fernzügen, wie eine Analyse des Datenanalysten David Kriesel zeigt.

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Der Datenanalyst David Kriesel hat sämtliche Fernzüge der Deutschen Bahn im Jahr 2019 auf deren Pünktlichkeit hin untersucht. Die Auswertung macht deutlich, wie die Bahn ihre Werte schönrechnet, wie die Bahn bei Verspätungen handelt und auf welche Punkte die Reisenden gefasst sein müssen.

Vor allem im Fernverkehr hat die Deutsche Bahn ein großes Problem mit verspäteten und ausgefallenen Zügen. Um die versprochenen Pünktlichkeitswerte annähernd einzuhalten, nehme die Bahn zulasten von Kunden häufig Zugausfälle in Kauf, erläuterte Kriesel in seinem Vortrag auf dem 36. Chaos Communication Congress  in Leipzig. Das Argument der Bahn, sie könne ausgefallene Züge nicht in die Pünktlichkeitsstatistik aufnehmen, bezeichnete er als „finalen Rettungsstuss“.

Verspätungen und Ausfallquote höher als von der Bahn angegeben

Kriesel hat festgestellt, dass die Fernzüge, zu denen ICEs, ICs und ECs gezählt werden, in 2019 eine Pünktlichkeitsquote von knapp 75 Prozent hatten. Dieser Wert lag unter dem selbstgesteckten Ziel der Bahn von 76,5 Prozent.

In 2019 mehr als 5 Prozent aller ICEs aus. Bei den ICs lag die Ausfallquote bei mehr als 3 Prozent, bei ECs waren es mehr als 2 Prozent. An einem heißen Sommertag im Juli 2019 seien sogar mehr als 10 Prozent aller ICEs ausgefallen. Der Zug mit den geringsten Ausfällen, der EC, hatte mit rund 69 Prozent die schlechteste Pünktlichkeitsquote.

Nicht in die Statistik der Bahn gehen verkürzte Zugfahrten ein. Dabei werden auf einer Strecke von A nach B einfach die letzten Halte gestrichen, damit der Zug wenden und pünktlich in der anderen Richtung zurückfahren kann. Rechnet man die ausgefallenen Halte in die Statistik ein, sinke die Pünktlichkeitsquote auf 72,5 Prozent. „Beim Fernverkehr liegt bei denen einiges im Argen“, sagte Kriesel.

Praxistipps für Bahnfahrer

Kriesel gibt den Bahnkunden den Praxistipp, beim Buchen von ICEs den Ausfall von Zughalten an Start- und Endbahnhöfen einzukalkulieren. Er empfiehlt besondere Vorsicht mit ICEs.

Die Verspätungen lassen sich von den Reisenden aber auch nutzen. So präsentierte Kriesel eine Liste von Zugverbindungen, die an bestimmten Halten regelmäßig eine hohe Verspätung aufweisen. Damit kann man die Zugbindung eines Spartickets aufheben.

Text: David Kriesel, www.dkriesel.com / ME

Foto: Ahrensburg-Portal

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