Michael Eckstein mit dem Wahlzeettel für den Seniorenbeirat (Foto: Ahrensburg-Portal)

Am 22.02.2021 findet die Wahl zum Ahrensburger Seniorenbeirat statt. Der Beirat soll satzungsgemäß 15 Personen umfassen. Insgesamt 26 Bürgerinnen und Bürger haben sich beworben (unser Bericht) Wir haben die Kandidatinnen und Kandidaten eingeladen, sich auf dem Ahrensburg-Portal vorzustellen. Heute

Fünf Fragen an Jutta A. Wonschik-Steege 

Jutta A.Wonschik-Steege (Foto: privat)

 

Welche Verbindung haben Sie zu Ahrensburg – wie lange leben Sie schon hier?

Ahrensburg ist meine Heimat. Meine Familie lebt hier – wie auch ich mit Unterbrechungen – seit Anfang der 1950er Jahre, nachdem sie nach dem Krieg und der Flucht aus Oberschlesien hier eine neue Heimat gefunden hatte. Ich durfte hier eine glückliche Kindheit erleben, dazu zählen auch die Schuljahre bei Lehrer Mumm in der Ahrensfelder Dorfschule!

Im März 2020 sind mein Mann, Dr. Friedrich W. Steege, und ich wieder nach Ahrensburg zurückgekehrt. Wir haben vor 20 Jahren im Ahrensburger Schloss geheiratet. Mein Mann hat bis zu seiner Pensionierung als Diplom-Psychologe im Psychologischen Dienst der Bundeswehr des Verteidigungsministeriums in Bonn gearbeitet. Wir wünschen uns, dass wir nach all den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie – die momentan ja jeden von uns hart treffen –, endlich auch wieder unbeschwerte Kontakte zu unseren Familien und Freunden hier im Norden aufnehmen können.

Welche Lebens- und Berufserfahrung bringen Sie mit?

Aus Berufung bin ich Journalistin geworden, langjährig prägende Erfahrungen auf dem persönlichen Lebensweg in der Leidens- und Sterbe-Weg-Begleitung innerhalb meiner Familie haben mich zu Fortbildungen zur Beraterin in Altersfragen und zur Gesundheitspraktikerin (BfG)/ DGAM geführt. Diesen Tätigkeitsfeldern, als sinngebenden Weiterungen meines Berufsweges, gilt heute meine Hingabe und Begeisterung.

Ich bin 1955 in Hamburg geboren, habe Handelsfachwirt studiert, die Ausbildereignungsprüfung abgelegt, war Abteilungsleiterin im Stationären Einzelhandel, habe Public Relations und Endverbraucher-Marketing für ein internationales Kosmetikunternehmen gemacht. Dann folgte ein Verlagsvolontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt, anschließend eine Tätigkeit als Fachredakteurin bei einer internationalen Fachzeitschrift, ab 1984 wirkte ich dann als TV-Redakteurin und „Pionierin“ am Aufbau des deutschen Privatfernsehens SAT.1 in Hamburg mit.

Seit 1990 bin ich als Journalistin selbständig, auch mit meiner Wonschik Media World im Bereich Film- und Fernseh-Produktionen, Kommunikations-, Agentur- und Beratungs-Dienstleistungen. Unser Management-Film „Event Marketing – Der Weg zur professionellen Inszenierung einer Marke“ legte z.B. als erste filmische Dokumentation zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum 1991 den Grundstein für die Entwicklung des Event Marketing in Deutschland.

Zum Stichtag 9. November 2007 habe ich als Autorin, mit dem Historiker Prof. Dr. phil. Wolfgang Stribrny, das zeit- und kulturhistorische Buch-Dokument, „Ein Vermächtnis – Prinz Louis Ferdinand von Preußen/Ein Leben in Licht und Schatten der Monarchie im 20. Jahrhundert“ veröffentlicht – anlässlich des 100. Geburtstags des Prinzen und als erste Biografie über ihn.

Meine Berufswege führten mich von Ahrensburg u.a. nach Bayern, an den Bodensee, nach Berlin, Frankfurt, Hamburg, Mönchengladbach, Bonn, Remagen und in viele Länder im Ausland. So war ich als Communication Partner Germany langjährig für den Schweizer Think Tank, das Gottlieb Duttweiler Institut für Wirtschaft, Gesellschaft und Megatrends in Zürich, tätig.

2001 habe ich die Initiative „SHL-Sterben Hilft Leben – Lebensunterstützung und Netzwerkberatung bei Krankheit, Krisen, Leidens- und Sterbe-Weg-Begleitung“ gegründet, war ehrenamtliche Pressesprecherin des Bundesverbandes Graue Panther e.V. und bin gegenwärtig Mitglied im Biochemischen Gesundheitsverein Lübeck (im Beirat) und Groß-Hamburg e.V. Weitere Fortbildungen u.a. in „Klienten-zentrierter Gesprächsführung /-Therapie nach Carl R. Rogers“, „Psychologischer Stress- und Krisenintervention“, „Analytischer Psychologie“ nach Carl Gustav Jung, „Naturheilkunde“/Klassischer Homöopathie“.

Als Mitglied der C.G. Jung-Gesellschaft in Köln beschäftige ich mich seit langem sowohl mit Themen der Psychologie, Gerontologie, Naturheilkunde, Gesundheit und Philosophie, als auch mit der ganzheitlich-ethischen Betrachtungsweise des Menschen in unserer Gesellschaft, einschließlich der Anwendbarkeit dieser Ansätze im Wirtschafts- und Privatleben.

Wo sehen Sie Verbesserungsbedarfe und -möglichkeiten für Senioren in Ahrensburg?

„Das Schicksal, das sie ihren nicht mehr arbeitsfähigen Menschen bereitet, enthüllt den wahren Charakter der Gesellschaft“, sagte einst die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir. Beitragen möchte ich mit Erfahrung und Wissen, den Seniorinnen und Senioren in Ahrensburg ein Leben in Würde zu ermöglichen, ihr Leben lebenswert(er) zu machen, ihren verdienten Lebensabend in Ruhe zu gestalten – mit menschenwürdigen Lebensverhältnissen und Hilfe zur Selbsthilfe in allen wichtigen Lebensbereichen. Und ein Sprachrohr sein, das die Bedürfnisse der älteren und alten Menschen thematisiert. Beitragen dazu, dass auch die Älteren Partner „auf Augenhöhe“ sind – im täglichen Leben, in der städtischen Gemeinschaft, ebenbürtige Gesprächspartner bleiben, für Politik, Medizin, Behörden, Ämter, Sozialverbände, Krankenkassen.

Es gilt, auf der bestehenden guten Basis der Seniorenarbeit in Ahrensburg hinzuschauen, wie und womit das Angebot für die Menschen – in den verschiedenen Lebens-Alter-Phasen – verbessert und erweitert werden kann. Das können Maßnahmen zur Steigerung der Lebensfreude und des Wohlfühlens sein ebenso wie die Planung von Mehrgenerationenhäusern.

Warum wollen Sie ehrenamtlich im Seniorenbeirat mitwirken?

In den 80er Jahren durfte ich ehrenamtlich als „Pressesprecherin“ der „JUKI-Jugendkulturinitiative Ahrensburg“, noch zur Amtszeit von Bürgermeister Samusch, für die Belange der Jugend in Ahrensburg aktiv sein. So haben wir uns damals u.a. für ein neues Jugendzentrum im Ahrensburger Marstall eingesetzt, um für die jungen Leute einen festen, angemessenen Platz mit Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten, regelmäßige Treffen, Übungsräume für Musikgruppen etc. zu schaffen. Der Raum in der ehemaligen „Baracke“ war längst nicht mehr geeignet. Heute ist der Marstall etabliert.

Durch die Mitarbeit im Ahrensburger Seniorenbeirat würde sich für mich ein „Kreis schließen“. Es würde mir Freude bereiten, mich mit Engagement, Kompetenz, Erfahrung und Visionen für die Belange der älteren Menschen beratend und gestaltend einzusetzen. Ein Arbeitsfeld, das im Zuge der demografischen Entwicklung – auch in Ahrensburg, Stormarn, Schleswig-Holstein, wie in der Bundesrepublik – von hoher Bedeutung ist und in Zukunft sein wird. Ebenso mit Seitenblick auf die nachrückende Generation.

Schon Trude Unruh, die Begründerin der „Graue Panther-Generationen-Bewegung“ und der „Senioren-Schutz-Bund-Vereine e.V. Deutschlands“ deklarierte: „Heute Wir, morgen Ihr!“ Seniorenarbeit sollte gleichermaßen auf die Jungen und deren Einbindung zielen, ein Podium schaffen etwa für Jung und Alt, für jüngere Menschen, die auch in der Altenversorgung tätig werden können.

Als Kommunikations-Profi ist es mir ebenso wesentlich, einen Beitrag zur Wiedergewinnung eines Grundkonsenses über Ethik und Werte in Gesellschaft und Leben zu leisten. Besonders mit Blickrichtung auf die Belange der Älteren, denn bei ihnen geht es oft um herausfordernde Themen, Sorgen und Ängste, wie Altersarmut, Pflegenotstand, Würde und Respekt im Alter, selbstbestimmtes Leben, ihr Recht auf Menschenwürde bis zum Tod. Auch ehrenamtliches Engagement ist bei diesen Themen unverzichtbar.

Für welches Thema wollen Sie im Seniorenbeirat selbst aktiv werden?

Gerne für das Einbringen eigener Erfahrungen und Wissen bei folgenden Zielen:

  • Ausloten, was auf kommunaler Ebene zur Erleichterung und praktischen Bewältigung des Alltags älterer Mitbürger getan werden kann
  • Unterstützung, auch journalistisch, bei Beratungsangebot, Information und Kommunikation – nach innen wie außen – bei Seniorenfragen der Stadt.
  • Eingehen auf psychologische, medizinische und soziale Aspekte des Alterns, unter Berücksichtigung von professionellen und ehrenamtlichen Unterstützungsangeboten – Beratung in Altersfragen.

Weitere Ansatzpunkte zur Seniorenarbeit: „Prävention, Hilfe zur Selbsthilfe, Lebensunterstützung, Leidens-Weg-Begleitung, Trauerarbeit, Vereinsamung im Alter, positive Impulse durch kulturelles und religiöses Leben, individuelle Gesprächsangebote, Netzwerk-Arbeit, ‚Bindeglied‘ sein, Medien-, Öffentlichkeitsarbeit“.

Trude Unruh, die auch Abgeordnete im Deutschen Bundestag war, sagte in den 1990ern:“…eine breite Plattform zu bieten für alle, die begriffen haben, was in Zukunft durch die umgekehrte Alterspyramide auf uns zukommt. Wir müssen den Verteilungskampf der Generationen vor allem dadurch verhindern, dass alte Menschen deutlich ihre Interessen formulieren, dies aber nicht auf Kosten anderer tun wollen, sondern immer im gemeinsamen Kampf mit den Jungen für eine menschenwürdigere Gesellschaft. Die herrschende Politik neigt ja dazu, alles zu verdrängen und den nächsten Generationen in die Schuhe zu schieben…“

Die aktuellen Entwicklungen durch die Corona-Pandemie im Jahr 2021 können dies nur bestätigen. Für mich insgesamt wichtig: Eine journalistisch-ethische Ausrichtung, ein offenes Ohr, Basisarbeit für Alt und Jung, unabhängig, Partei- und Konfessions-übergreifend denken und handeln – was das im Einzelnen bedeuten kann, werden die an den Ahrensburger Seniorenbeirat gestellten konkreten Aufgaben in den kommenden Jahren zeigen.

Interview: Jutta A. Wonschik-Steege, Fotos: Jutta Angelika Wonschik-Steege / privat und Ahrensburg-Portal