Diskussion um S4 Ausbau (Foto: Melissa Jahn)

Die zwischen Hamburg und Lübeck geplante S4 wirft weiterhin Fragen auf

Nun lud die Bürgerinitiative an der Bahnstrecke Hamburg – Lübeck e.V. zu einer Informationsveranstaltung ein und machte klar, dass die Klageschrift gegen das Milliardenprojekt bereits geschrieben sei.

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„Wir hatten ursprünglich eine Podiumsdiskussion geplant, sind durch die Absagen der Politik jedoch auf eine Infoveranstaltung umgeschwenkt“, Claus-Peter Schmidt von der Bürgerinitiative. „Sie möchten weiter diese Variante durchboxen, obwohl die Planung eindeutig gegen die Wand läuft.“

Entlang der Strecke sollen zwei neue Gleise gebaut und durch den Einsatz häufig fahrender S-Bahnen das Angebot der Deutschen Bahn ausgebaut werden. Kritik der Bürgerinitiative: Hinter dem angepriesenen Neubau der S4 verbirgt sich eines der größten Infrastrukturprojekte Europas, nämlich der Ausbau der Schienenanbindung an den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel nach Skandinavien. „Der öffentliche Personennahverkehr bekommt neue Gleise, um Platz für den transeuropäischen Schienengüterverkehr zu machen“, so Schmidt. „Den Lärm kaufen sich die Politiker ein. Das ist unnötig.“

Claus-Peter Schmidt von der Bürgerinitiative (Foto: Melissa Jahn)

350 Millionen Euro sollte das Projekt ursprünglich verschlingen. Ein Jahr später beliefen sich die Zahlen auf 630 Millionen Euro – jetzt seien es 1,44 Milliarden, sagt Claus-Peter Schmidt. Auch wenn Hamburg und Schleswig-Holstein nur einen Eigenanteil zu tragen haben, belaufe sich dieser auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Zusätzlich ist die Strecke auf geschützter Fläche wie dem Ahrensburger Tunneltal geplant. Dies kritisiert vor allem der Verein Jordsand und die Interessensgemeinschaft Tunneltal, die sich dem Schutz des Gebietes verschrieben haben: eines der letzten glazial geprägten Gebiete Nordeuropas, in dem die Geomorphologie sehr gut erhalten ist. Neben Flächenverlusten und Verkehrsbelastung stellten auch Gefahrguttransporte ein nicht kalkulierbares Umweltrisiko dar. „Wenn bis zu 84 Güterzüge täglich Tag und Nacht durch das Tunneltal und unsere Stadt rollen, wird das dramatische Auswirkungen auf das Tunneltal haben“, sagt Svenja Furken von der IG Tunneltal. „Zudem müssen wir uns fragen, welchen Wert der Naturschutz in unserer Gesellschaft zukünftig haben sollen. Sind Begriffe wie Begriffe wie Grabungsschutzgebiet und Natura 2000 Ausdruck zukunftssichernder Schutzziele oder nur halbherzig gemeinte Absichtserklärungen?“

Verkehrsplaner Dieter Döge hingegen sieht im Ausbau der Bahnstrecke keinen zusätzlichen Nutzen für die Bevölkerung. Vor allem zwischen Ahrensburg und Bad Oldesloe habe die Bahn ein riesiges Problem da hier keine zwei zusätzlichen Gleise geplant seien. „Wenn sich die Züge dieselbe Trasse teilen, haben wir die gleiche Situation wie zuvor. Wenn sie jetzt nicht pünktlich ist, wird sich auch danach nichts ändern.“ Ein Nachteil seien zudem die zusätzlichen Stationen. Während die Bahn aktuell 24 Minuten von Ahrensburg nach Hamburg benötige, wäre die S-Bahn sogar sechs Minuten länger unterwegs. „Die S4 ist eine Mogelpackung und eine Abwägung notwendig“, sagt Döge. „Es gibt viele andere Modelle die eine bessere Anbindung leisten.“

Rechtsanwältin Suzan Goldschmidt (Foto: Melissa Jahn)

Während sich die Deutsche Bahn, der Landtag in Schleswig-Holstein und die Hamburgische Bürgerschaft eindeutig für die geplante Trasse ausgesprochen haben, gebe es noch eine Variante direkt entlang der A1. Ein Vorteil: für diese Strecke würde kein als Wohnraum deklarierter Privatgrund benötigt. Zudem wäre bei der Variante „sowohl als auch“ der Einsatz zusätzlicher Züge möglich. Rechtsanwältin Suzan Goldschmidt sieht eine gute Chance für eine Klage – und damit auch für die Variante entlang der Autobahn. Sie habe die Klageschrift bereits fertig, so Goldschmidt. Grundsätzlich müsste bei der Streckenwahl die mit den wenigsten Betroffenen genommen werden. „Insbesondere das Naturschutzgebiet hängt wie ein Damoklesschwert über dem Projekt“, sagt die Anwältin. „Sobald es eine Alternative gibt, steht der Naturschutz an höchster Stelle.“ Die S4 werde kommen. Eine alternative Prüfung sei jedoch unabdingbar.

Die Variante entlang der A1 (Foto: Melissa Jahn)

Text und Bilder: Melissa Jahn (mej)

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