Michael Göring las im Marstall aus seinem Roman Hotel Dellbrück.

Michael Göring liest im Ahrensburger Marstall
„Schließen Sie die Augen und machen Sie sich ein eigenes Bild“, sagt der in Hamburg Volksdorf lebende Autor zu beginn seiner Lesung. Dann beginnt er. Und erzählt die Geschichte von Sigmund, einem jüdischen Kind, welches 1938 mit dem Kindertransport nach Cornwall geschickt wird. Aber auch von seinem Sohn Friedemann, genannt Frido, der erst 1955 auf die Welt kommt, als Nachkriegskind aber ein Leben lang auf der Suche nach Heimat und Bindung ist. Und schließlich ist es auch die Geschichte von Jad, einem jungen Flüchtling, dessen Schritte sich hier, im Hotel Dellbrück, mit den anderen verknüpfen.
Einfühlsam und atmosphärisch beschreibt Göring die Zeit kurz nach der Pogromnacht und greift dabei die wahre Geschichte der Kindertransporte auf, die in Hamburg starten und bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges 10.000 Kinder retten. „Ich habe mir viele Berichte angehört, die auf Tonband aufgenommen wurden“, sagt Göring. „Und aus ihnen meinen Siegmund geformt.“ Aber es geht eben auch um die Frage nach Heimat und einem Zugehörigkeitsgefühlt. Wo ist die Seele zu Hause – und wo befindet sie sich nur auf Reisen? „Mich beschäftig in meinen Büchern der persönliche Rucksack, den Kinder mit Erfahrungen der Großeltern und Eltern gepackt bekommen“, sagt Michael Göring. „Zusätzlich finde ich es auch wichtig, den Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“ Es seien nicht nur Gedenkstätten, sondern vor allem emotionale Geschichten, die die Menschen abholen. Dies sei vor allem bei jungen Menschen wichtig, die die Zeit nicht selbst erlebt haben, weshalb Göring auch Lesungen an Schulen veranstalte.

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Michael Göring las im Marstall aus seinem Roman Hotel Dellbrück.

Aber wie gestaltet Michael Göring seinen Prozess des Schreibens und wie kommt er auf seine Ideen?
„Ich schreibe etwa drei Jahre an einem Buch, überarbeite viel auf Reisen und widme meinen halben Urlaub diesem Projekt“, sagt Göring, dessen Job bei der Zeit-Stiftung nach eigenen Angaben ein Fulltime-Job ist. „Außerdem habe ich aufgehört, Fernsehen zu gucken. Dies bringt viel zusätzliche Lebenszeit.“ Bereits als 15-jähriger habe er sich mit Geschichtsbüchern beschäftigt und mit der jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt Lippstadt. Durch eine Bekanntschaft mit einem jungen Flüchtling bei dem Projekt „Weichenstellung“ sei zudem das Thema „Flucht in der heutigen Zeit“ dazugekommen. „Ich übertrage die damalige Situation auf heute, aber ohne den moralischen Zeigefinger“, sagt Göring. „Flucht und das finden neuer Heimat hat die Kinder 38 sowie 2018 gleichermaßen beschäftigt. Ich möchte, dass die Menschen darüber nachdenken.“

 

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