Kathleen Wieczorek (Foto: Agentur für Arbeit)

Arbeitslosenquote 3,7 Prozent in Stormarn – saisonale Einflüsse

Nach vier Monaten mit abnehmender Arbeitslosigkeit hat die Zahl arbeitsloser Menschen im Kreis Stormarn im Juli saisonal bedingt zugenommen. So sind bei der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe aktuell 89 Menschen mehr als im Juni arbeitslos gemeldet. Ihre Gesamtzahl beträgt in diesem Monat 4.921.

In der Folge ist die Arbeitslosenquote gegenüber Juni um 0,1 Prozentpunkt auf jetzt 3,7 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr waren im Juli 5.494 Menschen und damit 573 mehr arbeitslos. Die Quote lag seinerzeit bei 4,2 Prozent.

„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli ist saisonal begründet und nicht überraschend. Quartals – und Schuljahresende, Ausbildungsprüfungen und die Sommerferien sorgen regelmäßig dafür, dass in dieser Zeit vorübergehend mehr Menschen arbeitslos sind. Das Plus von 89 arbeitslosen Menschen zum Vormonat fällt dabei geringer aus als in den drei Vorjahren, wo die Zunahmen immer im dreistelligen Bereich lagen“, sagt Kathleen Wieczorek, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten für den Kreis Stormarn.

„Zwei Drittel der 89 machen junge Menschen unter 25 Jahren aus, die sich nach Schul- oder Ausbildungsabschluss jetzt arbeitslos gemeldet haben. Für sie sehe ich jedoch gute Chancen. Wer auf Ausbildungssuche ist, findet mit über 600 Ausbildungsstellen noch eine breite Auswahl an Möglichkeiten für seinen Berufseinstieg.

Denjenigen, die ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, bieten sich zunehmend bessere Chancen in den Unternehmen. Hier steigt der Personalbedarf weiter. Die Zahl der vakanten Stellen im Kreis Stormarn ist auf rund 2.170 und damit auf den höchsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie gestiegen.

Weniger neue Sozialversicherungspflichtige Stellen

Dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter sind im Juli 423 neue sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet worden. Das sind 56 weniger (minus 11,7 Prozent) als im Vormonat, aber 96 mehr (plus 29,4 Prozent) als im Juli vergangenen Jahres.

Damit sind aktuell insgesamt 2.167 sozialversicherungspflichtige Stellen im Kreis Stormarn zu besetzen, 125 oder 6,1 Prozent mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind dies 301 Stellen mehr.

„Der Stellenzugang bleibt trotz des Ferien- und Urlaubsmonats auf einem hohen Niveau.  Mit 423 neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen liegt die Zahl der Stellenmeldungen sogar über den Juli – Werten der drei Vorjahre“, sagt die Agenturchefin.

Zusätzlich zu den Arbeitslosen: 6390 Menschen in „Unterbeschäftigung“

Die Unterbeschäftigung zeigt, wie viele Menschen insgesamt auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung sind. „Im Kreis Stormarn beträgt die Zahl der Unterbeschäftigten aktuell 6.390. Die Unterbeschäftigungsquote liegt bei 4,8 Prozent und hat damit um 0,1 Prozentpunkte zum Vormonat zugenommen. Im Juli des Vorjahres lag sie bei 5,2 Prozent“, so Wieczorek.

Nicht als arbeitslos gezählt werden beispielsweise Teilnehmende an Weiterbildungsmaßnahmen und in Arbeitsgelegenheiten oder Arbeitsuchende, die derzeit arbeitsunfähig erkrankt sind, sowie geflüchtete Menschen, die einen Sprach- oder Integrationskurs oder eine der berufsvorbereitenden Maßnahmen der Arbeitsagentur oder des Jobcenters besuchen. Sie alle werden zusätzlich zu den arbeitslos gemeldeten Menschen in der Statistik zur Unterbeschäftigung erfasst, die die Agentur für Arbeit ebenfalls monatlich veröffentlicht.

Kurzarbeit wächst geringfügig

Die Zahl der Betriebe aus dem Kreis Stormarn, die im Juli* neu Kurzarbeit angezeigt haben, liegt bei vier. In den Anzeigen wird bei 63 Beschäftigten ein Arbeitsausfall erwartet. Im Vormonat lag die Zahl bei insgesamt 19 Neuanzeigen für 199 Mitarbeitende, im Mai waren es 22 Anzeigen für 72 Beschäftigte.

„Die Zahl neuer Anzeigen auf Kurzarbeit nimmt mit den anhaltenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen spürbar ab, was aber auch zu erwarten war“, sagt die Chefin der Arbeitsagentur.

8.232 Menschen in Kurzarbeit

Daten zum tatsächlichen Umfang der Kurzarbeit im Kreis Stormarn liegen jetzt für den Monat Februar vor. „Seinerzeit waren insgesamt 8.232 Beschäftigte in 1.238 Betrieben von einem Arbeitsausfall betroffen. Die verschärften Lockdown-Regelungen Mitte Dezember hatten zu dem neuerlichen Anstieg der Kurzarbeit geführt. Im Februar hatten 2.851 Mitarbeitende mehr als im Dezember kurzgearbeitet, die Zahl der Unternehmen in Kurzarbeit stieg um 226“, berichtet Wieczorek.

224 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Nächste Woche starten die ersten Jugendlichen in ihre Ausbildung. Das bedeutet aber nicht, dass es für die 224 noch ausbildungssuchend gemeldeten jungen Menschen im Kreis Stormarn keine Chance mehr gibt, einen Ausbildungsplatz zu finden, erklärt die Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe.

„Der anstehende Ausbildungsbeginn bedeutet nicht, dass Jugendliche, die keine Ausbildungszusage haben, jetzt aufgeben sollten“, so Wieczorek. „Etliche Unternehmen haben ihren Nachwuchs noch nicht an Bord und sind weiter auf der Suche.“

6212 unbesetzte Ausbildungsstellen

Derzeit sind von den seit Herbst 2020 gemeldeten 1.579 Ausbildungsstellen (plus 25 zum Vorjahr) aus dem Kreis Stormarn 621 nicht besetzt. Hier bieten sich weiterhin Einstiegschancen für die jungen Ausbildungssuchenden, so die Agenturchefin und appelliert an sie: „Auch nach dem 1. August könnt Ihr weiterhin in eine Ausbildung einsteigen. Werdet schnell aktiv und nutzt die Angebote unserer Berufsberatung, um Euch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder Alternativen zum Wunschberuf helfen zu lassen und bewerbt Euch.“

Ausbildungssuchende Jugendliche können sich telefonisch bei der Berufsberatung unter der Hotline 0 45 31 – 167 154 melden oder sie schreiben eine E-Mail an [email protected]

Die Schülerinnen und Schüler haben auch jetzt eine breite Auswahl. „Die gut 620 freien Ausbildungsstellen verteilen sich auf rund 110 verschiedene Ausbildungsberufe. Ob kaufmännisch, technisch, handwerklich oder dienstleistungsorientiert – es finden sich für fast alle Interessensbereiche Ausbildungsangebote“, so Wieczorek.

Die meisten freien Ausbildungsstellen gibt es noch für Kaufleute im Einzelhandel (55 Ausbildungsstellen), Verkäufer*innen (53) und Fachkräfte Lagerlogistik (23). „Aber genauso gibt es Angebote für Fachinformatiker*innen, Elektroniker*innen verschiedener Fachrichtungen oder Werkzeugmechaniker*innen. Auch für weniger bekannte Berufe wie Ofen- und Luftheizungsbauer*in oder Gestalter*in für visuelles Marketing wird noch Nachwuchs gesucht“, sagt Wieczorek.

Text, Foto: Agentur für Arbeit Bad Oldesloe / Redaktion