Christoph Hinrichs (Foto: privat)

Zur Bundestagswahl hat jeder Wahlberechtigte zwei Stimmen. Die Erststimme entscheidet über den Wahlkreisabgeordneten, die Zweitstimme über die Partei. Die Parteien werben mit den Programmen und Spitzenpersonen in Berlin für sich. Vor Ort bei uns werden aber vor allem die Wahlkreisabgeordneten wirken und die Interessen der Bürger/innen nach Berlin mitnehmen und dort vertreten.

Wir haben die Kandidaten der heute im Bundestag vertreten Parteien für die Wahlkreise in unserer Region um ein Interview gebeten, mit dem sie sich als Person und mit ihren individuellen Ansichten und inhaltlichen Schwerpunkten vorstellen.

Christoph Hinrichs kandidiert für DIE LINKE im Wahlkreis 10 (Herzogtum Lauenburg – Stormarn-Süd) zu dem Ahrensburg, Barsbüttel, Glinde, Großhansdorf, Oststeinbek und Reinbek sowie die Ämter Siek und Trittau gehören.

Fünf Fragen an Christoph Hinrichs (DIE LINKE)

1 Bitte stellen Sie sich als Person kurz vor

  • Alter: 54
  • Geburtsort Eutin
  • Schule: Abitur
  • Ausbildung: Dipl. Ing. Bauwesen
  • Beruf Industriekaufmann
  • aktuelle Tätigkeit: Key Account Manager, Vertrieb
  • aktueller Familienstand: verheiratet
  • Wohnort 21502 Geesthacht

2 Wie sind Sie zum Engagement in der Politik gekommen und warum kandidieren Sie für den Bundestag?

Nur in der Politik kann man etwas bewegen, wovon Menschen profitieren. Direkt vor Ort in der Gemeinde und im Kreis oder etwas abstrakter in den Parlamenten von Land und Bund.

Gerade in meinem kommunalpolitischen Engagement in den Ausschüssen und im Stadtrat der Stadt Geesthacht fällt immer wieder auf, dass die Arbeit durch Vorschriften Gesetze auf Landes- und Bundesebene eingeschränkt wird. Teilweise sind der Kommunalpolitik dadurch die Hände gebunden, obwohl sie dort etwas verändern und verbessern will.

Logische Schlussfolgerung: Wenn man etwas direkt angehen will, muss man dorthin, wo die Grundlagen gelegt werden. Da das Bundesrecht Grundlage für alle Gesetze und Vorschriften in der Bundesrepublik ist, können Veränderungen nur dort, vor Ort im Bundestag, beginnen.  Dort will ich mich einbringen.

3 Ihr Bezug zur Region Ahrensburg

Ahrensburg gehört, vielleicht noch mehr als mein Wohnort Geesthacht, zum Hamburger Speckgürtel, dem Randgebiet der Metropolregion Hamburg.

Daher sind die Probleme ähnlich gelagert.

Viele Menschen in der Großstadt wollen aber raus aus der Stadt und rein in die “grüneren“ Vororte, um die persönliche Lebensqualität zu steigern, ohne dabei auf die Vorteile der Stadt zu verzichten, z.B. im kulturellen Bereich.

Dafür muss aber ausreichender Wohnraum, die Infrastruktur der Nahversorgung also Kitas, Schulen, Treffpunkte, Arzt- und Bereuungsangebote und ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr im Umland geschaffen werden.

Das alles kostet nicht nur die Kommunen Geld, auch persönlich werden die Ausgaben höher.  Verfügbarer Platz ist endlich und je weniger davon vorhanden ist, umso teurer wird der restliche Platz.

Steigende Preise für Mieten, ÖPNV und den Lebensunterhalt werden meist nicht durch ansteigende Gehälter abgedeckt.

Ahrensburg hat zwar kürzere Wege ins Hamburger Zentrum, aber deutlich weniger Platz zum Wachsen. Daher ist ein Wachstum in der Fläche kaum noch möglich, Ahrensburg muss also nach oben wachsen.

4 Wie haben Sie die Corona-Pandemie erlebt und welche Lehren ziehen Sie für die Politik?

Die Corona-Pandemie hat die Schwächen unseres Systems gnadenlos offengelegt. Systemrelevante Jobs werden nicht systemrelevant entlohnt, geschweige denn wertgeschätzt. Milliarden von Euro wurden in die Wirtschaft gepumpt, meist in die großen Konzerne wie Lufthansa Mercedes oder BMW, für die Pflege blieb es beim Applaus.

Soloselbstständige in den Bereichen Kunst, Kultur und Versorgung wurden meist gar nicht unterstützt. Die bürokratischen Hürden waren entweder zu hoch oder sie waren gar nicht für eine finanzielle Unterstützung vorgesehen. Egal ob in den Bereichen Bildung oder Homeoffice, die Verfügbarkeit von stabilen Netzen, Servern und Endgeräten ist fast nirgendwo gewährleistet.

Bildung fand in einem Zeitraum von über einem Jahr nur völlig unzureichend statt. Weder die Schulen noch die Lehrkräfte waren auf diese Situation vorbereitet oder gar ausgebildet. Hier spielen wir mit unserer Zukunft.

Eltern wurden dazu gezwungen neben dem, für die finanzielle Versorgung des Familienlebens notwendigen Beruf auch die Kindererziehung und Bildung mit zu übernehmen. Ein unhaltbarer Zustand, welcher meisten die Frauen besonders traf.

Neben den Problemen in Bildung und Erziehung traten während der Pandemie zunehmend psychische oder soziale Probleme auf, quer durch die Bevölkerung. Aber auch hier waren die schwächsten Glieder wieder am stärksten betroffen, die Jüngsten und die ältesten Mitglieder.

Aber die Pandemie war und ist global und ein nur national ausgerichtetes Denken wird keine Lösungen bringen.

Pandemien müssen global gedacht werden und ebenso behandelt werden. Ein Virus macht nicht vor Grenzen halt. Die internationale Zusammenarbeit muss, jenseits von politischen, religiösen oder ideologischen Systemen und Regierungen, auf völlig neue Füße gestellt werden. Alarmierungsketten, wissenschaftliche Grundlagenforschung und Unterstützung für betroffene Staaten müssen deutlich schneller und global erfolgen, Eindämmungskonzepte müssen in internationalem Zusammenhang beschlossen und befolgt werden.

Gleiches gilt dann auch in den nächstkleineren Einheiten, also in Zusammenschlüssen von Staaten wie der EU und in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Im nationalen Raum kann dann, auf Grundlage der internationalen Konzepte, eine Regulierung im Kleineren stattfinden. Egal wo auch immer diese Konzepte erarbeitet werden, eine Einbeziehung von Expertenteams ist immer angeraten.

Den deutschen Weg, also eine beschlussfähige Ministerpräsidentenkonferenz mit der Bundesregierung, ist abzulehnen. Beschlüsse von nationaler Tragweite gehören in die Hände des Parlaments.

Das Gesundheitssystem gehört wieder in staatliche Hände. Die Gesundheit kann und darf sich nicht an wirtschaftlichen Prinzipien orientieren.

Der Katastrophenschutz muss massiv gefördert und erweitert werden, grundlegende Produktion und Verfügbarkeit von Rohstoffen für Impfstoffe ist eine nationale Aufgabe und darf nicht ausgelagert werden.

Impfstoffe müssen weltweit verfügbar sein, Patente auf diese darf es nicht geben.

Es gibt hier noch vielmehr zu sagen, dafür reicht der Platz aber nicht.

5 Was wollen Sie im Falle Ihrer Wahl im Bundestag für die Region erreichen?

Bezahlbarer Wohnraum, inklusiver Wohnraum, Rollstuhlgerechter Wohnraum sind meine Hauptthemen.  Hier gibt es ein großes Betätigungsfeld, gerade in den Metropolregionen wie Hamburg und dem dazugehörigen Umland.

Ich möchte, dass das Recht auf Wohnen im Grundgesetz als Menschenrecht verankert und als gesamtstaatliche Aufgabe definiert wird. Dazu gehört für mich eine Deckelung der Mieten.

Sozial gebundener Wohnraum muss mit einer verbindlichen Quote gesetzlich vorgeschrieben werden. Mit einer solchen Quotierung haben wir in Geesthacht schon gute Erfahrungen gemacht. Am liebsten auch mit einer verbindlichen Quote an Rollstuhl- gerechten Wohnungen.

Weiterhin muss der Wohnungsbau wieder in kommunale Hand. Wohnen darf kein Spekulationsobjekt werden.

Es muss daher staatlich garantiert werden, dass jährlich mindestens ebenso viel gebundener Wohnraum entsteht, wie im gleichen Jahr aus der Bindung fällt. Es geht also um nicht weniger als die staatliche Regulierung des Wohnungsmarktes.

Den Wohnungsmarkt kann man aber nicht als ein einzelnes Projekt betrachten. Hier geht es ebenso um ein Quartiersmanagement.  Was nützt der schönste Wohnungsbau, wenn in der näheren Umgebung keine KiTas, Schulen, Ärzten usw. vorhanden sind?  Auch dies muss ganzheitlich bedacht, geplant und reguliert werden.

Gerade dem ÖPNV kommt da eine besondere Rolle zu. Ein attraktiver und kostengünstiger ÖPNV kann helfen, den Individualverkehr zu verringern.

Das mag in Ahrensburg, durch die Nähe zu Hamburg, kein großes Thema sein, im Herzogtum Lauenburg allerdings schon. Hier sind weder die Verfügbarkeiten der Linien noch die Taktungen ausreichend, auf die Barrierefreiheit, immerhin ab Januar 2022 im Bundesgesetz für den ÖPNV vorgeschrieben, möchte ich noch gar nicht eingehen, das steht aber auch auf meiner Wunschliste. Geesthacht ist die einzige Stadt dieser Größe in der Bundesrepublik ohne einen Bahnanschluss, das muss sich ändern.

Weiterhin möchte ich mich dafür einsetzen, dass mehr Geld in den Erhalt, die Sanierung und den Ausbau von Straßen fließt. Auch wenn die Verkehrswende ein immer wichtigeres Thema ist, der massive Abschied vom Individualverkehr ist in absehbarer Zeit nicht zu erreichen.

Trotzdem muss ein deutlich größerer Fokus auf den Ausbau von Radwegen und Straßen gelegt werden. Nur mit einem passenden Angebot an nachhaltigem ÖPNV in Verbindung mit ausgebauten Fuß- und Radverkehr, motiviert man Menschen dazu, sich von Auto zu verabschieden.

Text: Redaktion / Foto: privat

Alle Informationen für die Region zu den Wahlen am 26.09.2021:

News-Blog zur Bundestagswahl für die Region Ahrensburg