Irene Johns (Foto: Kinderschutzbund Schleswig-Holstein)

Angesichts der Experten-Anhörung im Landtag mit Fokus auf dem Perspektivplan-Vorschlag der Landesregierung erinnert der Kinderschutzbund SH noch einmal an den dringenden Handlungsbedarf in Hinblick auf die zunehmend schwierige Lebens- und Lernsituation von Kindern und Jugendlichen.

„Die Auswirkungen der Corona-Krise sind für alle eine extreme Ausnahmesituation – besonders aber für Familien mit Kindern

Die Schließung von Kitas, Schulen und Freizeiteinrichtungen bedeutet für sie in jeglicher Hinsicht eine große Belastung und verschärft die ohnehin herrschende soziale Ungleichheit in Bezug auf Bildung, Gesundheit und Teilhabe von Tag zu Tag“, betont die Landesvorsitzende des DKSB SH Irene Johns und fährt fort: „Die mehrheitliche Öffnung von Kitas und Grundschulen ab dem 22. Februar 2021 und weitere Öffnungsperspektiven bedeuten daher einen ersten wichtigen Schritt auf dem Weg zurück in unbelastetere Lebensumstände. Das allein wird aber nicht reichen.

Jetzt ist es daran, den vorliegenden Stufenplan der Landesregierung vor allem in Bezug auf inhaltliche Perspektiven weiter auszuarbeiten. Dabei müssen insbesondere die Kinder in den Blick genommen werden, die infolge der Corona-Maßnahmen auf der Strecke geblieben sind“, fordert Irene Johns. „Es ist zu befürchten, dass die Anzahl der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen pandemiebedingt steigen wird. Deshalb ist die Einführung einer Kindergrundsicherung notwendiger denn je, aber darüber hinaus geht es auch um differenzierte Unterstützungsangebote in Sachen Bildung, Gesundheit, Teilhabe sowie Gewaltprävention“, so die Landesvorsitzende.

Der Kinderschutzbund SH macht sich in diesem Zusammenhang stark für:

  • Die Entwicklung von Konzepten sowie die Schaffung von Angeboten, durch die alle Kinder und Jugendlichen den entstandenen Bildungsrückstand aufholen können.
    Eine Möglichkeit wäre die Initiative einer Sommerschule in den großen Ferien, um Kinder mit deutlichen Wissenslücken zu unterstützen.
  • Eine standortunabhängige gute digitale Ausstattung von allen Schulen, verstärkte digitale und pädagogische Schulungen von Lehrkräften sowie die Anpassung der Lehramts-Studiengänge in Bezug auf digitalen Unterricht.
  • Allgemeingültige Qualitätsanforderungen für die Notbetreuung in Form eines einheitlichen inhaltlichen Konzeptes (nur Betreuung oder z.B. auch Schularbeitenhilfe?) sowie eine Vorgabe für die Qualifikation der Fachkräfte.
  • Echte Lernmittelfreiheit
    Die unbürokratische Zahlung eines Zuschlags von 90 Euro pro Monat und Kind (aus den freiwerdenden Mitteln des Bildungs- und Teilhabepaketes) als Ausgleich für das wegfallende kostenlose Mittagessen in KiTa und Schule.
  • Angepasste Ausweich-Angebote für Freizeit und Ferienerlebnisse sowie Angebote für Bewegungsmöglichkeiten „Breitensport“
  • Die situationsbedingte Anpassung der Gewaltprävention.
  • Das Zusatzangebot eines unbürokratischen und nicht stigmatisierenden Zugangs zur Notbetreuung für Kinder von Familien, die situationsbedingt unter Druck stehen.
  • Den Ausbau und die situative Anpassung der Frühen Hilfen.
  • Zusätzliche personelle Ressourcen in Kita und Schule, um trotz sozialer Distanz den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu halten.

Mehr Gewalttaten gegen Kinder uzd Jugendliche erwartet

„Durch den Lockdown verbringen Kinder und Eltern zwangsläufig viel Zeit im eingeschränkten häuslichen Bereich, was gerade bei ohnehin schon schwierigen Familienverhältnissen einen zusätzlichen Stressfaktor bedeuten kann.

Neben wirtschaftlichen und psychosozialen Belastungen sind Isolation und soziale Distanzierung ernst zu nehmende Risikofaktoren für unterschiedlichste Formen von Gewalt – hier befürchten wir pandemiebedingt eine deutliche Zunahme von Gewalttaten gegenüber Kindern und Jugendlichen“, so die DKSB SH Landesvorsitzende Irene Johns.

„In Krisenzeiten ist Kinderschutz auf allen Ebenen eine ganz besondere Herausforderung, die immer höchste Priorität haben sollte. Das sollte bei der inhaltlichen Ausarbeitung des Perspektiv-Plans der Landesregierung nicht vergessen werden“, sagt Irene Johns.

Text, Foto: Kinderschutzbund SH / Redaktion