„Pandemie, Ukraine-Krieg, Inflation, Flüchtlingsbewegungen, steigende Energie- und Rohstoffpreise – bereits seit einigen Jahren wirkt sich all dies auf den Arbeitsmarkt im Kreis Stormarn aus.
„Bislang hatte sich dieser aber insgesamt stabil gezeigt“, sagt Kathleen Wieczorek, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe und blickt auf das vergangene Jahr zurück: „Die konjunkturelle Schwächephase hat im letzten Jahr jedoch zunehmend auf den Arbeitsmarkt Einfluss genommen: Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist zurückgegangen, die Arbeitslosigkeit hat sich auf einem für den Kreis erhöhten Niveau eingependelt und die Zahl der zu besetzenden Stellen hat abgenommen. Trotz der Zunahme der Arbeitslosigkeit bleibt die Arbeitslosenquote mit 4,2 Prozent im vergangenen Jahr weiterhin die niedrigste im Land.“
Für die Chefin der Arbeitsagentur bleiben die Rahmenbedingungen auch für das Jahr 2025 herausfordernd. „Die Möglichkeiten für die Jobsuche haben sich eingetrübt, trotzdem bietet der Arbeitsmarkt weiterhin Chancen. Es gibt in einigen Bereichen weniger Jobs und Stellen, in anderen Bereichen hingegen wird unverändert Personal gesucht. Daneben scheiden aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmend ältere Beschäftigte aus, für deren Arbeitsplätze neue Mitarbeitende gesucht werden. Digitalisierung und Dekarbonisierung der Wirtschaft bringen Veränderungen am Arbeitsmarkt. Bekannte Berufsbilder werden sich verändern und andere Kompetenzen erfordern. Insgesamt zahlt sich vor allem eine gute Qualifikation bei der Suche nach einem Job aus.“
Mit Blick auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes in diesem Jahr prognostiziert Wieczorek: “Aufgrund der anhaltend schwachen Konjunkturlage erwarte ich derzeit keine größeren Entlastungen des Arbeitsmarktes. Wir sollten uns für 2025 darauf einstellen, dass die Arbeitslosigkeit im Kreis Stormarn moderat ansteigen wird. Im Fall einer unterjährigen wirtschaftlichen Erholung würde es dauern, bis sich diese auf die Arbeitslosigkeit auswirkt. Der Arbeitsmarkt reagiert immer mit einer zeitlichen Verzögerung auf eine sich verändernde Wirtschaftsentwicklung.“
Arbeitslosigkeit – saisonale Anstiege konnten nicht wieder kompensiert werden
Im vergangenen Jahr lag die Zahl der arbeitslosen Menschen im Kreis Stormarn im Jahresdurchschnitt bei insgesamt 5.666. Das waren 583 oder 11,5 Prozent mehr als 2023. Die Arbeitslosenquote blieb im Jahresdurchschnitt 2024 mit 4,2 Prozent weiterhin die niedrigste in Schleswig-Holstein. Sie nahm gegenüber 2023 jedoch um 0,4 Prozentpunkte zu, seinerzeit lag sie bei 3,8 Prozent.
„Bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr fällt eines ins Auge: Die saisonalen Aufwüchse zum Jahresbeginn und zur Jahresmitte konnten nicht wieder vollständig abgebaut werden. Hier fehlten aufgrund der konjunkturellen Entwicklung ausreichende Impulse, die Unternehmen haben sich bei der Einstellung neuer Mitarbeitender zurückgehalten“, sagt Wieczorek.
So sei nach dem saisonal üblichen Anstieg zum Jahresbeginn eine traditionell folgende Frühjahrsbelebung ausgeblieben und die Arbeitslosigkeit pendelte sich bei knapp über 5.500 arbeitslosen Menschen ein. „Zu den Sommerferien hin nahm die Zahl Jobsuchender wiederum deutlich zu. Im August blieb ihre Zahl nur knapp unter 6.000. Die anschließende Herbstbelebung fiel nur kurz aus und konnte das Plus aus dem Sommer nicht vollständig kompensieren. In den letzten Monaten des Jahres stagnierte die Zahl arbeitsloser Menschen dann bei 5.700.“
Bei steigender Arbeitslosigkeit wird für einige Personengruppen die Suche nach einem Job schwieriger. Gründe seien zum Beispiel unzureichende oder nicht mehr passende Qualifikationen, eingeschränkte Arbeitszeiten, gesundheitliche Einschränkungen oder nicht ausreichende Deutschkenntnisse. Daher hat auch die Zahl der Jobsuchenden, die bereits ein Jahr und länger ohne Beschäftigung sind, zugenommen. Waren es im Jahr 2023 im Jahresdurchschnitt 1.288, ist ihre Zahl auf 1.443 und damit um 155 oder 12,1 Prozent im Jahr 2024 gestiegen.
Die Agenturchefin sieht einen zunehmenden Qualifizierungsbedarf für Jobsuchende wie auch für Menschen in Beschäftigung: „Die Unternehmen müssen sich jetzt für die Zukunft ausrichten. Strukturwandel, Demografie und Fachkräftemangel führen zu neuen Arbeitskräftebedarfen. Arbeitsagentur und Jobcenter leisten dazu mit ihrer Beratung und beruflichen Qualifizierung von Arbeitsuchenden und Beschäftigten einen wichtigen Beitrag.“
Stellenmarkt – Personalbedarfe in den Unternehmen insgesamt gesunken
Im Jahr 2024 hatten die Unternehmen aus dem Kreis Stormarn im Jahresdurchschnitt 2.252 offene sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet. Das waren 81 oder 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr. „Der Stellenbestand hat insbesondere in der zweiten Jahreshälfte abgenommen. War der Bedarf an neuen Beschäftigten in den Unternehmen im ersten Halbjahr noch konstant und lag zwischen 2.200 und 2.300 gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Stellen, so sank dieser im letzten Quartal des Jahres dann auf noch knapp über 2.100 gemeldete Stellen. In dem Rückgang der Arbeitskräftenachfrage bildet sich die Konjunkturschwäche ab, die die Unternehmen getroffen hat“, bilanziert Wieczorek. „Die deutlichsten Veränderungen im Stellenbestand zum Jahresende hin finden sich im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen, Verkehr und Lagerei, im verarbeitenden Gewerbe sowie im Handel. “
Gesundheits- und Sozialwesen:
Januar 2024 = 256 Stellen, Dezember 2024 = 189 Stellen => minus 67 Stellen (minus 26,2 Prozent)
Verkehr und Lagerei:
Januar 2024 = 93 Stellen, Dezember 2024 = 51 Stellen => minus 42 Stellen (minus 45,2 Prozent)
Verarbeitendes Gewerbe:
Januar 2024 = 259 Stellen, Dezember 2024 = 222 Stellen => minus 37 Stellen (minus 14,3 Prozent)
Handel:
Januar 2024 = 295 Stellen, Dezember 2024 = 254 Stellen => minus 41 Stellen (minus 13,9 Prozent)
Weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – wo sind Jobs weggefallen und wo neue entstanden
Zum Stichtag 30. Juni 2024 waren im Kreis Stormarn insgesamt 89.520 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 2.084 oder 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Von ihnen hatten 70,3 Prozent (= 62.933) einen Vollzeitjob und 29,7 Prozent eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung (= 26.587). Ausschließlich geringfügig beschäftigt waren weitere 12.558 Menschen.
„Bislang kannte die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Kreis Stormarn in der Tendenz nur eine Richtung: nach oben. Im Juni 2023 waren mit rund 91.600 noch so viele Menschen wie in keinem Juni zuvor beschäftigt. Seitdem haben sich Inflation, steigende Energie- und Rohstoffpreise und eine rückläufige Konsumnachfrage mit daraus folgenden Strukturveränderungen und Transformation in den Unternehmen, insbesondere im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe, auf die Beschäftigung im Kreis ausgewirkt. Darüber hinaus hat auch die demografische Entwicklung einen Einfluss. So waren zum 30. Juni des vergangenen Jahres rund 2.100 Menschen weniger beschäftigt als noch 2023, ein Rückgang um 2,3 Prozent. Mit 89.520 Beschäftigten ist die Zahl auf den niedrigsten Wert seit März 2021 gesunken“, sagt die Agenturchefin.
Wo Jobs weggefallen und neu entstanden sind, erklärt Wieczorek weiter: „Den deutlichsten Beschäftigungsrückgang gab es im verarbeitenden Gewerbe, hier waren es im Juni 2024 1.363 Beschäftigte weniger zum Vorjahr, ein Minus von 6,8 Prozent. Damit hat das verarbeitende Gewerbe mit nun 18.781 Erwerbstätigen den Spitzenplatz der Branchen mit den meisten Beschäftigten im Kreis verloren. Es bildet sich zum Beispiel auch die Schließung der Druckerei in Ahrensburg ab. Jetzt sind im Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen mit 18.797 die meisten Menschen beschäftigt, obwohl auch in dieser Branche mit 692 Beschäftigten weniger zum Vorjahr Jobs weggefallen sind. Von Jobverlusten betroffen war auch die Arbeitnehmerüberlassung, die meistens stark von der Auftragslage in den Unternehmen abhängig ist. Im Juni des vergangenen Jahres waren noch 1.146 Menschen in der Zeitarbeit tätig, ein Minus von 347 oder 23,2 Prozent zum Vorjahr.“
Aber es finden sich auch Branchen, in denen neue Jobs entstanden sind, so Wieczorek. In der öffentlichen Verwaltung gab es mit 4.444 Beschäftigten eine Zunahme um 267 (plus 6,4 Prozent), ebenso im Gesundheits- und Sozialwesen mit jetzt 12.440 dort Tätigen, ein Plus von 232 oder 1,9 Prozent. Auch im Baugewerbe und im Bereich Erziehung und Unterricht arbeiteten im Kreis mehr Menschen. Im Juni 2024 waren es im Baugewerbe 6.427 (plus 140 zum Vorjahr) und bei den Erziehenden und Unterrichtenden 1.806 und damit 76 mehr als ein Jahr zuvor.
Die TOP 5-Branchen, in denen die meisten Menschen im Kreis Stormarn zum 30. Juni 2024 sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren:
Handel / Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
18.797 Beschäftigte ¬- minus 3,6 Prozent
Verarbeitendes Gewerbe
18.781 Beschäftigte – minus 6,8 Prozent zum Vorjahr
Gesundheits- und Sozialwesen
12.440 Beschäftigte – plus 1,9 Prozent
Wirtschaftliche Dienstleistungen
9.868 Beschäftigte – minus 1,6 Prozent
Baugewerbe
6.427 Beschäftigte – plus 2,2 Prozent
Text: Agentur für Arbeit Bad Oldesloe / Redaktion